„Kommt herein und seht ganz klar, wie es bei Luthers wirklich war“

Teufel Claudia Immendorf hat kein leichtes Spiel mit Katharina, alias Monica Schreiber, und Martin Luther, alias Uwe Loeper.
Teufel Claudia Immendorf hat kein leichtes Spiel mit Katharina, alias Monica Schreiber, und Martin Luther, alias Uwe Loeper. (Fotos: Ulrich Rienäcker)

Tosender Applaus für "Szenen einer Ehe" in der Emmaus-Kirche mit Pfarrerin Monica Schreiber und Pfarrer Uwe Loeper - der Teufel konnte sie nicht entzweien

Es ist Sonntag Abend um sieben, im April des Jahres 500 nach Thesenanschlag. Der Saal wird voll, richtig voll, die lila Liederzettel reichen gerade so aus. Auf die Bühne tritt einer in schwarzem Talar und Bäffchen, im richtigen Leben ist er ebenfalls Pastor. Es geht aber um Luther, Doktor Martinus. Und um Katharina von Bora, mit Haube als Nonne, dann im feinen Kleid als Frau. Wir werden von beiden zu hören bekommen: von ihrer Zuneigung, vom Essen und Trinken, vom Reden und Schreiben und vom Zuhören. Und vom Führen eines Haushaltes, von der Erziehung der Kinder, von der Erfindung des evangelischen Pfarrhauses.

Szenen einer Ehe

Wenn Katharina und Martin Luther singen, singen alle mit.
Wenn Katharina und Martin Luther singen, singen alle mit.

Szenen einer Ehe, aber nicht irgendeiner, sondern dieser einen: Luther und Katharina. Besonders lebendig wird es im Spiel von Miene und Gesten, und so manches Mal ist der Teufel zugegen und spielt hinein in die Ehe. „Gott mag diese Küche ja segnen, aber putzen tut er sie nicht!“ Vieles scheint den Männern und Frauen im Auditorium auch heute sehr vertraut, schließt man aus der Mitsingbereitschaft bei „Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann“, die das Pathos bricht, das im ersten Überwältigt-sein-voneinander noch seinen Ausdruck fand in „Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht“.

Freiheit eines Christenmenschen

Katharina lacht den Teufel aus.
Katharina lacht den Teufel aus.

Aber eigentlich ist der Teufel nur ein Tänzer am Rande, denn ein ganz anderer steht im Zentrum des Lebens der beiden: ER bildet „eine feste Burg“ -- „er hilft uns frei aus aller Not“. Es ist der tägliche Bezug auf Jesus Christus, aus dem beide schöpfen. Von hier kommt auch die prinzipielle Gleichstellung von Mensch und Mensch, die Martin und Käthe -- auch vor dem öffentlichen Blick ihrer Studenten -- im Hause praktizieren, nach der sie ihre Söhne und Töchter gleich erziehen. Muss man erwähnen, wie sehr das dem Teufel gegen den Strich geht? In seiner Empörung lernen wir, wie anders und neu diese Freiheit war. Das evangelische Pfarrhaus, von Katharina und ihrem Luther begründet, wird von nun an eine die Kultur prägende Einrichtung werden. Wenn wir das Schlusslied singen „Der Mond ist aufgegangen“, ist eine tiefere Sicht klar geworden, in der wir Gott bitten können: „lass dein Heil uns schauen, auf nichts Vergängliches trauen [...] und vor dir hier auf Erden wie Kinder fromm und fröhlich sein.“

Langer tosender Beifall

Der Teufel kann Luther nichts anhaben.

Am Klavier begleitet behutsam Katharina, die später – nach langem tosenden Beifall – wieder zu unserer Pastorin Dr. Monica Schreiber wird. Als Schauspielerin hat sie uns einen Abend lang verzaubert! Luther würde wahrscheinlich am liebsten Luther bleiben, muss nun aber wohl wieder als Pastor Uwe Loeper weiterleben. Nur der Teufel scheint ein eher gebrochenes Verhältnis zu seiner Darstellerin zu haben: Claudia Immendorf ist vielleicht doch einen Tick zu gut für ihn. Die Zuschauer jedenfalls danken den dreien für diesen heiteren Abend mit viel Gepäck zum Nachdenken. (Text: Jens-Uwe Clas)

Bildergalerie: Szenen einer ganz besonderen Ehe