Wissen und spüren, wo unsere Wurzel ist

„Wie viele jüdische Wurzeln hat der christliche Glaube?“

Eine erste Antwort botanisch: Jede Pflanze hat eine Wurzel, aus ihr wachsen Spross und Blätter. So ist das auch mit dem Christentum: Es ist gewachsen aus der jüdischen Religion. Jesus war Jude, von Geburt bis Tod. Geboren, in der späteren Deutung, als der Messias wie ihn die Propheten im Alten Testament verheißen haben. Gestorben am Kreuz unter der Schmähung „Jesus von Nazareth, König der Juden“.

Wer weiß, wo seine Wurzel ist und sie spürt, der kann wachsen und reifen. Alle Versuche in 2000 Jahre Kirchengeschichte, christliche Theologie, Kirche und Kultur von ihrer jüdischen Wurzel abzuschneiden, hat am Ende immer Ödnis und Tod gebracht. Von Judenpogromen des Mittelalters bis Auschwitz, von Versuchen, das Alte Testament aus dem christlichen Kanon zu verbannen bis zur Judenmission christlicher Eiferer heute.

Jesus studierte Theologie und Geschichte, wie sie die hebräische Bibel erzählt, als Erwachsener beteiligte er sich an den munteren Debatten jüdischer Gelehrter um Weg und Wahrheit des Lebens. Jesus betete jüdisch mit den Psalmen, dachte, handelte jüdisch.

Ich bin froh, dass ich als Pfarrer Hebräisch gelernt habe. Um das Alte Testament zu lesen und ein Stück Lebenswelt Jesu besser zu begreifen. „Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen“, schrieb der Apostel Paulus (Römerbrief Kap. 9-11) und machte damit den jungen christlichen Gemeinden klar: Vergesst nicht, wo ihr herkommt, aus dem Judentum. Und auch wenn uns manche Überzeugung und Religionspraxis fremd erscheint, Juden und Christen bleiben weiter gemeinsam von Gott erwählt!

Die rheinische Landessynode hat ein Stück Kirchengeschichte geschrieben als sie sich 1980 so deutlich den unlösbaren Zusammenhalt von Juden- und Christentum in die eigene Grundordnung geschrieben hat. Ganz im Sinne Paulus bezeugen wir „die Treue Gottes, der an der Erwählung seines Volkes Israel festhält. Mit Israel hoffen wir auf einen neuen Himmel und eine neue Erde“.

Seitdem ist es Aufgabe, dieses Stück Kirchengeschichte mit neuen, guten Geschichten zu füllen: mit interessierten Konfirmandengruppen, die Synagogen besuchen, mit Menschen, die sich in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit engagieren, mit jedem, der sich beherzt an die Seite von Jüdinnen und Juden stellt gegen den wieder wachsenden Antisemitismus auf dem Schulhof, in der Fußgängerzone, am Arbeitsplatz.

2021 wird die jüdische Gemeinde in Köln 1700 Jahre alt. Das soll landesweit gefeiert werden, denn in Europa nördlich der Alpen gibt es kein älteres Zeugnis jüdischen Lebens. Welcher Reichtum an Menschlichkeit, Wissenschaft, Musik, Kultur ist mit jüdischen Persönlichkeiten verbunden. Wir Christen sind eingeladen, dieses Fest auch zu unserem zu machen und viele Brücken der Begegnung zu bauen. Es sind Brücken, die unseren Glauben tragen.

Joachim Gerhardt

Quelle: EKiR.info 3/2020

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