Was sind Bekenntnisschriften?

Jede und jeder für sich versucht, das eigene Gottvertrauen in Worte zu fassen. Aber das geht auch gemeinsam. Seit der Reformation dienen verbindende und verbindliche Schriften zugleich dazu, sich von anderen Konfessionen abzugrenzen.

Das Bekenntnis gehört zum christlichen Glauben von Anfang an. Petrus wird von Jesus gefragt: „Wer glaubst du, dass ich bin?“ Und er antwortet und bekennt: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ (Matthäus 16,15f.) Wer glaubt, antwortet auf die Frage: Wer ist Jesus – für mich? Das persönliche Bekenntnis ist dann der Versuch, das eigene Gottvertrauen in Worte zu fassen, es anderen verständlich zu machen und es mit anderen zu teilen. Jede Christin und jeder Christ sucht und findet für sich selbst eigene Worte, manchmal starke und laute, manchmal zarte und leise, oft nur gestammelte. Bekenntnis geht aber auch gemeinsam. Wir tun das in unseren Gottesdiensten: meistens mit Bekenntnisformulierungen, die auf die ersten christlichen Jahrhunderte zurückgehen. Dann bekennen wir mit Worten, mit denen wir wohl nicht unseren persönlichen Glauben formulieren würden. Aber sie stellen diesen Glauben in einen Rahmen des Gemeinsamen mit den Menschen um uns herum und mit denen, die vor uns waren.

Ein besonderer Fall gemeinsamen Bekennens sind – meist längere – Texte, die als Bekenntnisschriften bezeichnet werden. Sie entstehen in der Reformationszeit: Ein erneuertes Verständnis des Christus-Evangeliums führt im 16. Jahrhundert dazu, dass die Einheit der mittelalterlichen Kirche zerbricht. Die Christenheit fällt in Konfessionen auseinander, was übersetzt nichts anderes heißt als Bekenntnisse. Das Bekenntnis ist fortan also die Bezeichnung für eine kirchliche Version des Christentums, die sich von anderen Versionen unterscheidet und abgrenzt.

Der erste und bekannteste solche Text ist das Augsburger Bekenntnis,  verfasst von Philipp Melanchthon als Rechenschaft der Protestanten auf dem Reichstag von Augsburg 1530. Die Lehrdifferenzen innerhalb der reformatorischen Bewegung schlagen sich in der Folge in lutherischen und reformierten Bekenntnisschriften nieder. Sie werden im „konfessionellen Zeitalter“ zu Normen für die Lehre in Gemeinden, Landeskirchen und Universitäten.

Viele Bekenntnisschriften stellen Artikel zu einzelnen Lehrpunkten zusammen, so zu Christus, Sünde und Rechtfertigung, Kirche, Taufe und Abendmahl sowie dem zum Amtsverständnis. Auch einige Katechismen, also Glaubenslehrbücher im Frage-Antwort-Schema, werden dazugezählt. Im Luthertum des 16. Jahrhunderts bildet sich mit dem Konkordienbuch von 1580 ein fester Kanon, zu dem außer dem Augsburger Bekenntnis (1531) auch Luthers Katechismen (15281529) und Schmalkaldische Artikel (1537) sowie die Konkordienformel (1577) gehören. Bei den Reformierten entstehen Bekenntnisschriften eher für unterschiedliche Regionen; für die deutschen Reformierten wird der Heidelberger Katechismus (1563) zu einer maßgeblichen Bekenntnisschrift.

Auch nach der Reformationszeit werden angesichts neuer Herausforderungen Bekenntnistexte mit kirchlich verbindlichem Charakter verfasst. Man nennt sie meist nicht Bekenntnisschriften, sondern spricht von Bekenntnissen. Zu ihnen gehört in Deutschland insbesondere die Barmer Theologische Erklärung, mit der die Bekennende Kirche 1934 zwischen wahrer und falscher Lehre unterscheidet. Dass auch diese Erklärung über ihre Entstehungszeit hinaus orientierend wirkt, zeigt sich  darin, dass viele evangelische Kirchen sie zu ihren Lehrgrundlagen zählen. So wird sie auch in der Kirchenordnung der rheinischen Kirche angeführt, seit 2021 nun auch ausdrücklich als „Bekenntnis“.                                                        

Hellmut Zschoch

Quelle: EKiR.info 3/2021

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