Erkennbar derselbe Jesus

Warum enthält das Neue Testament vier unterschiedliche Evangelien, wo es doch bei Jesus um ein und dieselbe Person geht?

Weil Menschen erzählen, wie sie ihn erlebt und sich in seine Nachfolge berufen gefühlt haben, sagt Pfarrerin Chirstina Birgden.

Warum gibt es vier Evangelien, die sich zudem noch unterscheiden, statt eines einzigen Berichts, der von Jesus handelt? Wäre es nicht besser, nur einen sprechen zu lassen? Der Wahrheit kommen wir jedoch näher, wenn wir verschiedene Perspektiven zu Wort kommen lassen. Genau dafür hat sich die Redaktion des Neuen Testaments entschieden und die Berichte der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes nebeneinandergestellt.

Was wären denn auch die Alternativen gewesen? Sich für eines der vier Evangelien entscheiden? Den sozialen Lukas oder den systematisierenden Matthäus oder den knappen Markus gegen den philosophisch ausschweifenden Johannes? Sie merken schon: keine gute Idee!

Oder aus vieren eins machen? Aber nach welchem Kriterium sollte man zusammenfassen? Was weglassen? Nicht, dass versehentlich ein echtes Herrenwort weggestrichen wird! Das ginge nicht.

So stehen also vier Evangelien nebeneinander. Schon bald kam man darauf, die Texte auf Abweichungen zu vergleichen. Spätes­tens im 19. Jahrhundert, als man im Zuge der historisch-kritischen Methode auch die Bibel wie ein historisches Dokument untersuchte, fand man Übereinstimmungen wie Widersprüche. Matthäus und Lukas mussten das Markusevangelium gekannt haben, es liegt ihren Evangelien zugrunde. Und es muss eine zweite Textsammlung gegeben haben, die aber nicht erhalten ist, die sogenannte Logienquelle, eine Sammlung von vielerlei Aussprüchen Jesu. Das sind die Textpassagen, die bei Matthäus und Lukas übereinstimmen und die Markus nicht hat. Johannes steht neben all dem mehr oder weniger solitär, aber auch er erzählt erkennbar vom selben Jesus.

Spätere Forschungen erkannten unterschiedliche Tendenzen: Die jüdisch-christliche Forschung entdeckte, sensibilisiert durch die Schoa, Spuren eines frühchristlichen Antijudaismus, etwa in der Rede von „ihren Synagogen“ oder der negativen Darstellung von Pharisäern. Die feminis­tische Theologie erkannte das allmähliche Herausdrängen von Frauen aus Leitungsämtern in der Urkirche, etwa in der Darstellung der Marta oder in frauenfeindlichen Äußerungen in den späten Briefen. Da wird aus einer Junia schnell mal ein Junias. Da menschelt es ganz schön in den heiligen Texten, könnte manch Kritiker sagen – was für die einen ein Beweis gegen ihre Wahrheit ist, für andere dagegen Grund, etwaige Widersprüche mit Zähnen und Klauen zu verteidigen.

Aus meiner Sicht ist beides nicht nötig. Es zeigt sich vielmehr, dass diese Texte immer lebendig, immer umkämpft, bis heute relevant sind. Erzählen sie doch aus Menschensicht (aus welcher sonst?) von Gott und von Jesus. Und davon, wie Menschen Gott erleben und sich in die Nachfolge berufen fühlen. Dabei schaffen die vier Evangelien gerade in ihrer Verschiedenheit unterschiedliche Zugänge und können je nach Person und Situation werden, was sie im Wortsinn sind: Evangelium, das heißt, gute Botschaft!                                      (Autorin: Christiane Birgden; Quelle: EKIR.info 05/Oktober 2019)

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