Warum „Protestanten“?

Evangelische Christinnen und Christen werden auch mit dem vielsagenden Namen „Protestanten“ bezeichnet. Weil es ihnen darum geht, Wahrheit zu bezeugen ‒ heute genauso wie beim Reichstag 1529, als der Name entstand, sagt Pfarrerin Anna Peters.

Voll Sorge bin ich, als ich dies schreibe. Kitas und Schulen und Geschäfte sind zu dieser Zeit wegen der Corona-Pandemie geschlossen worden. Ich weiß von kranken Menschen, die keine Überweisung zum Corona-Test erhalten können und von solchen, die in der Warteschleife für einen Termin hängen. Ich weiß von völlig überlasteten Krankenpflegern und Ärztinnen, ich weiß um den Mangel an Desinfektionsmitteln und Atemschutzmasken. Ich frage mich, wie das alles noch werden soll, bei uns, aber auch in den Ländern der Welt, die schon ohne Corona so viel schlechter aufgestellt sind als wir. Als evangelische Kirche nehmen wir die Entwicklung wachsam wahr, hören, was die Menschen bewegt, was sie aushalten müssen. Wir haben aber auch etwas zu sagen: Wir haben Zeugnis abzulegen, wenn es um Wahrheit geht. Schließlich sind wir Protestanten.

Besorgt waren auch die sechs Fürsten, die im Jahr 1529 auf dem Reichstag zu Speyer zusammen mit den Vertretern von vierzehn Reichsstädten gegen einen mehrheitlich getroffenen Reichsabschied aufstanden. Dieser sollte die weitere Verbreitung der Lehren Martin Luthers verhindern und die Diskriminierung seiner Anhänger ermöglichen. Die evangelischen Fürsten traten mit einem eigenen Text  für ihre Überzeugung ein.  Das wurde damals lateinisch „protestari“ genannt – Zeugnis ablegen. Die Fürsten und Vertreter der Städte machten dabei ausdrücklich deutlich, dass die Überzeugung von der Wahrheit Vorrang vor einer Mehrheitsentscheidung haben muss. Wahrscheinlich konnten sie erahnen, dass ihr Tun weitreichende Folgen haben würde. Zwar wurde ihre Protestation offiziell nicht angenommen, aber sie verbreitete sich doch. Später schlossen sich die evangelischen Fürsten im Schmalkaldischen Bund auch militärisch zusammen. Es dauerte lange und gab viele Kriegsopfer, bis Religionsfrieden herrschte.

Corona hat uns im Augenblick fest im Griff. Aber irgendwann wird sich das Leben wieder normalisieren. Die Experten überlegen jetzt schon, wie zu erklären ist, dass das öffentliche Leben wieder ­beginnt, obwohl wir uns immer noch werden anstecken können. Wenn es soweit ist, werden viele Menschen als Verlierer dastehen. Manche werden den Vorwurf zu hören bekommen, nicht vorsichtig genug gewesen zu sein, nach dem Motto: Selbst Schuld, wenn du jetzt krank bist. Manche werden auch durch die Krise das verloren haben, worauf sie ihre Existenz aufbauten. Unsere Aufgabe wird es dann sein, Zeugnis abzulegen für die Wahrheit. Nämlich dafür, dass diese Menschen unverschuldet in Not geraten sind und dass ihnen geholfen werden muss. Wir müssen protestieren, wenn Dinge gesagt werden wie: „Ach, wärt Ihr mal besser versichert gewesen.“ Oder: „Im Gesetz steht aber, das Risiko liegt allein beim Arbeitnehmer/Zulieferer/etc.“ Es wird dann wichtig sein, für Gerechtigkeit einzutreten. Mit dem, was von den Kanzeln gesagt wird, mit praktischen Taten, mit Transparenten auf der Straße. Auch wenn es anstrengend wird und vielleicht Ärger gibt: Alle müssen dann für Wahrheit und Gerechtigkeit Zeugnis ablegen. Und ganz besonders wir: Schließlich sind wir Protes­tanten.

Anna Peters

Quelle: EKiR.info 2/2020

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