Kreissynode berät engere Partnerschaft von Kirche und Diakonie

Tagung in Stolberg: Leitfaden für Gebäudebedarfsplanung beschlossen, Diakonie-Beschluss folgt am 1. Juli

Das Verhältnis von evangelischer Kirche und Diakonie, ihre gemeinsamen Wurzeln, ihre Partnerschaft und Zukunft waren das Hauptthema der diesjährigen Sommersynode im Evangelischen Kirchenkreis Aachen. Am Freitagabend und am Samstag tagten die Abgeordneten aus Kirchenkreis, Kirchengemeinden und Einrichtungen im Ökumenischen Gemeindezentrum Frankental in Stolberg. Dabei stand am Freitagabend der Bericht von Superintendentin Pfarrerin Verena Jantzen über die aktuelle Lage des Kirchenkreises im Mittelpunkt, sowie ein Beschluss für einen Leitfaden zur Gebäudebedarfsplanung. Der Samstag war dann ganz der Diakonie gewidmet. 

Porträtfoto Superintendentin Jantzen bei ihrem Bericht.

Superintendentin Pfarrerin Verena Jantzen berichtete der Synode von den wichtigsten Themen des vergangenen halben Jahres.

Überblick über den Tagungsraum, fast 100 Personen an Tischen blicken nach vorne

Die Kreissynode ist das oberste Leitungs- und Entscheidungsgremium eines Kirchenkreises innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR). Die Abgeordneten kommen mindestens einmal, oft auch zweimal pro Jahr zusammen, um wichtige Beschlüsse zu fassen.

Halbtotale Tagung von hinten - vorn zwei Pfarrer im Talar, mit bunten Stolen

Als Pfarrer der gastgebenden Gemeinde gestalteten Max Heller (li.) und Axel Neudorf den Eröffnungsgottesdienst und hielten dabei eine Doppel-Predigt, welche die aktuelle Finanzsituation der Kirche aufgriff.

Außenansicht des Gemeindezentrums mit einer Gruppe von Menschen auf dem Vorplatz

Die Sommersynode 2026 tagte im Ökumenischen Gemeindezentrum Frankental in Stolberg.

Andreas Schäffer und Yanis Margueron stehen nebeneinander vor der Versammlung

Zu Beginn der Synodaltagung legten zwei neue Synodale ihr Gelübde ab: Andreas Schäffer als weiteres Vorstandsmitglied des Diakonischen Werks (li.) und Yanis Margueron als Vertreter der Evangelischen Studierendengemeinde Aachen.

Haushaltsdefizit nach Neuberechnung mit 250.000 Euro jährlich erwartet

In ihrem Bericht ging Superintendentin Jantzen insbesondere auf den Stand der Haushaltskonsolidierung im Kirchenkreis Aachen ein. „Wir stehen jetzt in der Mitte unseres Plans“, sagte sie. Nachdem die Grundsatzentscheidung zur Aufgabe des Jugendgästehauses bereits im November 2025 getroffen wurde und nun ein Beschluss zum Diakonischen Werk gefasst werden solle, gebe es weitere wichtige Entscheidungen bei der Herbstsynode im November 2026, so zu Angeboten des Kirchenkreises, zur Referatsstruktur, Personalplanung und dem Pfarrstellenrahmenplan. Als einen großen Erfolg des Kirchenkreises bezeichnete sie die Arbeiten der Finanzabteilung seit der vergangenen Synode. So habe die detaillierte Überprüfung und Anpassung aller Haushaltskostenstellen dazu beigetragen, dass das erwartete Haushaltsdefizit von ungefähr einer Million Euro pro Jahr auf 250.000 Euro pro Jahr gesunken sei. Eine grundsätzliche Umstellung in der Budgetplanung führe außerdem dazu, in Zukunft die Einhaltung von finanziellen Zielen besser steuern zu können. Jedoch seien bei einem geringeren Defizit weitere Sparmaßnahmen und eine gute Haushaltsdisziplin wichtig, um die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit abzuwenden.

Neuer Leitfaden setzt einen Rahmen und nennt Kriterien

Im Rückblick auf die vergangenen Monate nannte Jantzen als hervorzuhebende Punkte außerdem die Gespräche mit Landeskirche und Evangelischer Studierendengemeinde (ESG), die geplante Gründung einer Kinder- und Jugendvertretung im Kirchenkreis Aachen sowie den Übergang der evangelischen Kindertagesstätten des Kirchenkreises Aachen an das Zentrum Ev. Kindertagesstätten des Kirchenkreises Krefeld-Viersen. Zum nach ihrem Bericht auf der Tagesordnung stehenden Beschluss über den Leitfaden zur Gebäudebedarfsplanung sagte die Superintendentin: „Die Gemeinden haben sich auf den Weg gemacht und sind im Prozess herauszufinden, welche Gebäude erhalten, ertüchtigt und welche abgegeben werden sollen. Der neue Leitfaden setzt den Rahmen für diesen Prozess und nennt Entscheidungskriterien. Dabei versucht er, die Diversität unserer Gemeinden in Struktur, finanzieller Ausstattung und Gebäudebestand Rechnung zu tragen.“ 

Die Details zu diesem Leitfaden führte Britta Rosen als Mitglied des Kirchenkreis-Leitungsgremiums (KSV) aus und beantwortete Fragen der Synodalen. „Alle Gemeinden haben zu viele Gebäude, eine zu geringe Nutzung, einen Sanierungsstau und hohe Betriebskosten“, sagte sie. „Die Finanzen lassen nicht Erhalt und Sanierung aller Gebäude zu – selbst ohne den Beschluss zur Treibhausgasneutralität wäre das so.“ Nach einer ausführlichen Diskussion über dieses Thema nahm die Synode den Beschlussvorschlag und damit den Leitfaden schließlich an. 

"Diakonie ist Kirche - Kirche ist Diakonie"

Drei Referate und drei Workshops beleuchteten am Samstagvormittag die theologischen Grundlagen diakonischen Handelns, die Bandbreite diakonischer Angebote im Kirchenkreis und praktische Beispiele für die Zusammenarbeit von Kirche und Diakonie anhand der Umnutzung von Gebäuden. Ziel der Beiträge war es nicht nur die Synodalen darüber zu informieren, sondern auch gemeinsam ins Gespräch zu kommen und auf den Beschluss einer strategischen Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Aachen und dem Diakonischen Werk im Kirchenkreis Aachen hinzuführen. Dieser war  für den Nachmittag geplant. Ein Teil des Beschlusses war außerdem die Neu-Festsetzung der Finanzierung des Diakonischen Werks durch den Kirchenkreis für die kommenden vier Jahre. Als wesentliche Punkte sieht der Beschlussvorschlag eine verstärkte Zusammenarbeit der beiden eigenständigen Partner vor, welche auch die Entwicklung einer „gemeinsamen Marke von Kirche und Diakonie“ umfasst. Als Erstes soll laut Beschlussvorschlag eine vertiefte Zusammenarbeit in den Bereichen Öffentlichkeitsarbeit und Schulungen angestrebt werden. 

Porträt Malte Duisberg

Malte Duisberg, KSV-Mitglied und langjährig tätig in verschiedenen diakonischen Leitungspositionen, führte in den Beschluss zur strategischen Partnerschaft zwischen dem Kirchenkreis Aachen und dem Diakonischen Werk ein.

Swantje Eibach-Danzeglocke und Erik Schumacher sprechen vor der Synodalversammlung

Morgen-Andacht und Abschluss-Abendmahl am zweiten Synodentag hatten Pfarrerin Swantje Eibach-Danzeglocke und Pfarrer Erik Schumacher vorbereitet, als die beiden Pfarrpersonen, die als letzte im Kirchenkreis neue Stellen angetreten hatten.

Abstimmung der Versammlung mit Stimmkarten von der Vorderseite des Saals aus

Die nächste Beschlussfassung der Synodalversammlung findet nicht in Präsenz mit Stimmkarten statt, sondern online per Mausklick.

Beschluss soll in digitaler Versammlung getroffen werden

Der Beschlusstext sieht zugleich vor, dass die jährliche Finanzierung des Diakonischen Werkes durch den Kirchenkreis, wie schon vor Jahren beschlossen, weiter sinken soll. Anstelle von bislang 6,25 Prozent des Kirchensteueraufkommens sollen es in den Jahren 2027-2031 noch 5,5 Prozent sein. Dies entspricht ungefähr einer Summe von noch 518.000 Euro pro Jahr und damit etwa 50.000 Euro weniger als bisher. Nach einer engagierten Diskussion der Synodalen auch über diesen Beschluss lief die Meinungsbildung am Nachmittag nach kleinen redaktionellen Änderungen am Beschlusstext auf einen Konsens zu. Allerdings war schließlich die Zwei-Drittel-Anwesenheitsquote der Stimmberechtigten nicht mehr gegeben, so dass kein Beschluss gefasst werden konnte. Ein Nachhol-Termin dafür, dann in einer digitalen Synodalsitzung, wurde für Mittwoch, 1. Juli, um 19 Uhr angekündigt. 

(Text: Ev. Kirchenkreis Aachen / C. Braun)

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