Ist Gott wirklich allmächtig?

Die Frage, warum Gott Leid und Katastrophen zulässt, beschäftigt die Menschen von alters her. Diese dramatischen Erfahrungen reiben sich an den Vorstellungen von göttlicher Allmacht.

Im Sommer dieses Jahres ist eine Unwetterkatastrophe über den Westen unseres Landes hergezogen, die wir nicht für möglich gehalten hätten. Wir kannten solche Bilder aus den Alpen, der Türkei oder aus Bangladesch. Jetzt heißen die Orte Erftstadt, Wuppertal und die A1. Alles Orte, die mir vertraut sind: ich bin dort hergegangen, bin dort hergefahren, hab dort im Café gesessen. Ich hatte nur einen nassen Keller. Andere haben alles verloren. Es gibt noch immer Vermisste.

Warum lässt Gott ein solches Leid zu? Vielmehr: Ist er sogar die Kraft, die hinter solchen Katastrophen steht? „Der Wolken, Wind und Regen / gibt Wege, Lauf und Bahn“ singen wir in einem unserer beliebtesten Kirchenlieder. Hat er auch die Schlammmassen bewegt, die ganze Straßenzüge geflutet haben?

Ein grausamer Gott wäre das. Ein Gott, dem das Leid von Mensch und Tier egal wäre. Wir gehen ja davon aus, dass Gott gut ist und grundsätzlich mitbekommt, was auf der Erde geschieht. Wenn Gott also gut ist und weiß, was geschieht, warum unterbindet er nicht solche Katastrophen wie die gerade erfahrene? Im Glaubensbekenntnis bekennen wir direkt zu Beginn die Allmacht Gottes. Wie passt das zusammen?

Der jüdische Religionsphilosoph Hans Jonas setzt die Attribute Allmacht, Allwissen und Allgüte in seinem in einem kleinen Büchlein abgedruckten Vortrag „Der Gottesbegriff nach Auschwitz“ inBeziehung. Er verabschiedet sich schließlich von der Allmacht. Ein Gott, der wissend und gut ist, kann nicht allmächtig sein. Das ist eine logische Herleitung via Ausschlussprinzip. Und widerspricht so gänzlich unserer Vorstellung von dem, was einen Gott per Definition ausmacht.

Es ist schon verrückt, dass gerade wir Christ*innen besonders penetrant an der Vorstellung von der Allmacht Gottes festhalten. Als sei sie die Voraussetzung für das Gottsein an sich. Dabei lese ich auch im Philipperhymnus von einem freiwilligen Machtverzicht in Christus. Gott liefert sich in Christus ganz der Welt aus – ohne sich ein Hintertürchen offenzulassen.

Warum tun wir uns so schwer, von der Allmacht Gottes zu lassen? Ich glaube, die Beantwortung der Frage ist erschreckend einfach: Es sind unsere eigenen Allmachtsfantasien, die uns davon abhalten. Wenn wir ein Gott wären, wären wir allmächtig. Und nichts anderes tun wir, wenn wir versuchen, uns die Erde maximal untertan und uns nutzbar zu machen, wenn wir die Erde versiegeln, die Flüsse begradigen und das Klima erhitzen. Selbstverzicht ist nicht so unser Ding.

Gott geht da einen anderen Weg. Hans Jonas stellt das im Bild eines der mittelalterlichen jüdischen Mystik entstammenden Mythos dar, dem Zimzum. Demnach zieht Gott, der das All erfüllte, den Bauch ein, damit wir sein können. Für manchen mag das enttäuschend sein, aber nein, Gott greift nicht ins Weltgeschehen ein. Er sitzt nicht auf dem Chefsessel irgendwo weit weg an einem Schaltpult. Er ist nicht Gegenüber, sondern mittendrin. Was er mir gibt, ist nicht die Wendung meines Geschicks, aber seine Nähe und Geleit, mit der ich mein Schicksal irgendwie tragen kann.

Nein, Gott ist nicht allmächtig. Aber er ist nah und das ist auf lange Sicht vielleicht viel wichtiger.

Christiane Birgden

Quelle: EKiR.info 5/2021

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